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Die Geschichte Es ist der 30. Juni 2001, Samstag abend, 20:30 Uhr. Vier Jazzmusiker, die sich zum Teil nur vom Telefon her kennen, treffen sich im Hamburger Hotel ›Vier Jahreszeiten‹. Anlass ist eine Geburtstagsfeier, für die sie engagiert wurden und die sie atmosphärisch mitgestalten sollen. Die kunstvolle Umgebung, der stilechte Salon, die exzellente Akustik – alles trägt dazu bei, dass sich nicht nur die Gäste, sondern auch die Musiker sehr wohl fühlen. Während sie nun Stücke von Brubeck, Coltrane, Davis, Evans und Gershwin, aber auch Hancock, Jarrett, Shorter und Turrentine spielen, stellt jeder der Vier fest, dass sowohl das musikalische Niveau als auch das Zusammenspiel spontan harmoniert. Um dieses Gefühl zu konservieren, quasi immer wieder neu entdecken zu können, beschließen sie noch in der selben Nacht, ein Quartett zu gründen. Der schnell gefundene Name ›jazz.Seasons‹ spielt somit auf dreierlei an: den Geburtsort, die vier eigenständigen Charaktere und ein äußerst vielseitiges Programm – ein Spektrum von Cool bis Hot, von Swing bis Groove, expressionistisch bis impressionistisch angefüllt mit Klang und Farbe. |
Die Musiker Die Besetzung der jazz.Seasons ist nicht unbedingt als ›klassisch‹ zu bezeichnen: der eigenständige Sound entsteht – neben dem Verzicht auf klangverändernde Elektronik – im wesentlichen durch die Jazzgitarre, die neben Piano, Bass und Drums eine unverwechselbare Note einbringt.
Johannes Döbertin, Jahrgang '66, beginnt im Alter von 13 Jahren eine klassische Gitarrenausbildung. Zwar wird sie schnell am Gymnasium in diversen Schulbands auf eine harte Probe gestellt, führt ihn aber später erfolgreich durch zahlreiche Band-, Bühnen- und Studioprojekte. Die Stilrichtungen Funk, Soul und Jazz beeinflussen sein Spiel seit zwanzig Jahren, aber mit der Gründung der jazz.Seasons verdichtete sich für Ihn alles im Jazz; rhythmisch vermag er, einen Groove zu komplettieren, um dann im Solo eine Linie zu entwickeln, der man gespannt folgen muss.
Christian Oestmann steht ihm mit Melodie- und Harmonieführung zur Seite. Der Pianist, Jahrgang '66, genoss dank Förderung seines musikalischen Elternhauses neben klassischem Klavierunterricht auch Klarinetten- und Saxofonunterricht. Diese Basis, mehrfach bei ›Jugend Musiziert‹ ausgezeichnet, vertiefte er durch leidenschaftliches Komponieren. Früh sammelte er Erfahrungen in einer Bigband und einem Jazztrio, probierte andere Genres (Rock, Pop, Theater) und kam dann zum Jazz zurück; hinzu kam Theorie an der Musikhochschule Hamburg beim NDR-Bigband-Chef Prof. Dr. Glawischnig und Praxis bei bekannten Jazzpianisten. Als ›advocatus diaboli‹ ist er das Bandmitglied, das oft jene Fragen stellt, die den Kern eines Stückes, seinen Geschmack frei legen.
Die rhythm section der jazz.Seasons, das Fundament, wird durch Thomas Sproten (Bass) und Tom Wibberenz (Drums) gebildet. Thomas Sproten, Jahrgang '57, spielte zunächst im Schulorchester Violine und absolvierte eine klassische Gitarrenausbildung in einem Musikkonservatorium, bevor er seine Vorliebe für den Bass entdeckte. Es folgten Jahre in unterschiedlichen Bands und Stilen bis der Rheinländer 1994 nach Hamburg kam. Dort stellte er wenig später den E-Bass in die Ecke und nahm den Kontrabass zur Hand. Mit diesem neuen Spielgefühl und den Kenntnissen aller modernen Stilrichtungen entdeckte er den Jazz, das Swingen für sich neu und gibt dadurch dem Quartett immer neue Akzente.
Die ersten zehn Jahre seines musikalischen Daseins verbrachte Tom Wibberenz, Jahrgang '67, mit der klassischen Posaune. Als Teenager wechselte er dann zum Schlagzeug und stieg stilistisch in den Jazzrock ein. Zwar bot diese Musik ein hohes Maß an solistischem Freiraum, entlarvte sich für ihn aber bald als seelenloser Nachkomme des puren Jazz, dessen Spur er fortan aufnahm. Er selbst sieht sich als Jazzmusiker, weniger als Drummer und hat in den letzten Jahren auf vielen Sessions – auch im ›Jazzmekka‹ New York – diesen Anspruch weiterentwickelt. |
Der Anspruch Trotz so unterschiedlicher Lebensläufe lässt sich die Einstellung der vier Individualisten durch ein Zitat von Billie Holiday leicht zusammenfassen: »I never sing a song the same way twice«. Diese ständige Suche nach dem song-immanenten Sound, nach der definitiven Atmosphäre, nach immer neuen Herangehensweisen an alt bekanntes Material und der Wunsch, gleichberechtigt ins kreative Geschehen eingreifen zu können, stehen im Vordergrund der musikalischen Auseinandersetzung. So bestimmt das Zuhören und Erspielen von neuen Stücken, nicht das nüchterne Erarbeiten, die Probenabende der jazz.Seasons; nicht die Spieltechnik und ihre Zur-Schau-Stellung ist relevant, sondern das Einbringen der eigenen musikalischen Identität, um der Musik ihren Raum zu geben, frei nach: »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile«.
Der gespannte Zuhörer kann sich – sei es als stilvoll dezente Untermalung eines Empfangs oder im Rahmen eines jazz.Seasons-Konzertes – auf ganz persönliche Interpretationen von Stücken wie z.B. ›Black Orpheus‹, ›Nardis‹, ›Stolen Moments‹, ›Impressions‹ und ›Speak Low‹ freuen. Denjenigen, die durch einen jazz.Seasons Auftritt erst richtig auf den Geschmack gekommen sind, empfehlen wir unsere erste CD – ein interessanter Ausschnitt unseres Programms, ›live‹ und mit professioneller Studioqualität eingespielt. |